Trockenheit - keine Entspannung
  
  Rund 10 Tage liegt das Ende der lang anhaltenden und intensiven 
  Hitzewelle mittlerweile zurück. Während sich das Temperaturniveau 
  seitdem den Normalwerten angenähert hat, hat sich an der Trockenheit 
  in weiten Teilen des Landes jedoch nichts Grundlegendes geändert. 
  Schauer und Gewitter konnten nur kleinräumig für eine Linderung der 
  Dürre sorgen, großflächiger und lang anhaltender Regen blieb bis auf 
  den Süden und Südostens Bayerns aus. Häufig summieren sich die 
  Niederschläge in den vergangenen 30 Tagen nur auf rund 30 l/m², lokal
  durch Gewitter und am Alpenrand teils auf 100 l/m². In 
  durchschnittlichen Jahren fällt in diesem Zeitraum etwa das Doppelte 
  an Niederschlag. 
  
  Doch nicht nur in den vergangenen Wochen, schon seit April, regional 
  sogar bereits seit Februar, ist die Witterung in großen Teilen 
  Deutschlands anhaltend trocken. Im Norden und Osten Deutschlands sind
  häufig noch nicht einmal 300 l/m², östlich des Harzes gebietsweise 
  sogar weniger als 200 l/m² gefallen. Verbreitet müssten noch 300 bis 
  400 l/m² fallen um das Niederschlagsdefizit bis zum Jahresende 
  auszugleichen. Im Süden und im Bergland ist zwar bislang mehr 
  Niederschlag in den Messtöpfen registriert worden, dort sind aber 
  auch die mittleren Jahresmengen höher. 
  
  Das Niederschlagsdefizit macht sich in den Flüssen, Talsperren und 
  Seen durch immer niedrigere Pegelstände bemerkbar. Am Bodensee 
  beispielsweise liegen die Pegelstände um 60 (Obersee) bis 85 cm 
  (Untersee) unter den langjährigen Mittelwerten für den aktuellen 
  Zeitpunkt. Der Unterschied zwischen Ober- und Untersee kommt durch 
  die aufstauende Wirkung von Wasserpflanzen zustande, die einen 
  Ausgleich des Wasserspiegels behindern. Noch niedriger war der Pegel 
  seit 1981 nur im August der Jahre 2003 und 2006. Der Hochrhein wird 
  also derzeit mit wenig Wasser aus dem Bodensee gespeist. Da auch in 
  der Schweiz die vergangenen Monate recht trocken waren, liefert die 
  Aare weniger Wasser als üblich in den Rhein. So liegen die 
  Pegelstände entlang des gesamten Rheins auf einem sehr niedrigen 
  Niveau. Auf http://hochwasserzentralen.de/ finden Sie die Links für 
  die Hochwasserzentralen der verschiedenen Bundesländer mit 
  hydrologischen Berichten und aktuellen Pegelständen. 
  
  Kaum anders sieht es in den Talsperren Deutschlands aus, wobei es 
  hier regional noch größere Unterschiede des Füllstandes gibt. Der 
  Wasserstand im Edersee in Hessen beispielsweise, des volumenmäßig 
  drittgrößten Stausees Deutschlands, ist mittlerweile so weit 
  abgesunken, dass am 21.08.2018 voraussichtlich die Stützung der 
  Oberweser für die Schifffahrt eingestellt werden muss 
  (http://www.edersee.de/wasserstand/default.aspx). Durch den niedrigen
  Wasserstand werden im Edersee versunkene Bauwerke freigelegt. 
  
  In den kommenden 7 bis 10 Tagen zeigen die verschiedenen 
  Wettermodelle kein durchgreifendes Ende der Trockenheit. Am Alpenrand
  und an den Küsten von Nord- und Ostsee könnte es zwar zu 
  nennenswerten Niederschlägen kommen, in weiten Teilen des Landes 
  bleibt der mittlerweile von vielen herbeigesehnte Landregen aber nur 
  eine Erinnerung an vergangene Zeiten.
  
  MSc.-Met. Thore Hansen
  Deutscher Wetterdienst
  Vorhersage- und Beratungszentrale 
  Offenbach, den 19.08.2018
  
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