Der Einfluss von Raketen auf die Ozonschicht
  
  Schnell mal den Urlaub auf die Malediven gebucht oder für einen 
  Kurztrip mit dem Flugzeug nach London - dass Fliegen Auswirkungen auf
  unser Klima hat, ist fast jedem bekannt. Doch wie schaut das 
  eigentlich bei Flügen außerhalb unserer Atmosphäre aus? Hat die 
  vergleichsweise zu Flugzeugen geringe Anzahl an Raketen auch Einfluss
  auf die Prozesse in der Atmosphäre?
  
  Den jährlich über 40 Millionen Flugzeugflügen weltweit stehen knapp 
  100 Raketenstarts pro Jahr gegenüber. Diese Tatsache könnte einen 
  schnell zu der Schlussfolgerung bringen, dass Raketen kaum Einfluss 
  auf die Atmosphäre haben. Für die Troposphäre, also die unterste 
  Schicht der Atmosphäre, in der sich unser tägliches Wettergeschehen 
  abspielt, mag dies primär auch zutreffen. Anders schaut das schon in 
  der Stratosphäre, der Schicht oberhalb der Tropopause, aus. In dieser
  befindet sich die allseits bekannte und wichtige Ozonschicht.
  
  Ozon (O3) ist ein Spurengas, das quasi "zwei Seiten" hat: In der 
  Troposphäre trägt es zum Treibhauseffekt bei, doch die Ansammlung von
  Ozon in der Stratosphäre (die Ozonschicht) schützt uns gleichzeitig 
  vor solarer UV-Strahlung. Ohne Ozon wäre die Strahlenbelastung auf 
  der Erde für Lebewesen deutlich zu hoch. 
  
  Zurück zu den Raketen. Während die Flugzeuge ihr Kerosin 
  hauptsächlich in der Troposphäre verteilen, geht es bei jeder Mission
  ins Weltall einmal durch alle Schichten, also auch durch die 
  Ozonschicht. Dabei unterscheiden sich die Antriebsstoffe der Raketen 
  von denen der Flugzeuge. Um das Gravitationsfeld der Erde zu 
  verlassen, muss die Rakete eine größere Geschwindigkeit als die 
  Fluchtgeschwindigkeit erreichen, die um ein Vielfaches größer ist als
  die Geschwindigkeit eines Flugzeugs. Um solch ein Tempo zu erreichen,
  werden andere (sogenannte "kryogene" oder feststoffartige) 
  Antriebsmittel als im täglichen Flugbetrieb verwendet. Diese 
  Antriebsmittel setzen jede Menge ozonschädliche Stoffe frei, unter 
  anderem Chlor. Bei einem Start der derzeit leistungsstärksten 
  Trägerrakete der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) Ariane 5 
  werden in der Hochatmosphäre ungefähr 100 Tonnen Chlor freigesetzt.  
  Ein Chloratom reicht aus, um bis zu einer Millionen Ozon-Moleküle zu 
  zerstören. 
  
  Aber wie so oft, hat ein einzelner Start einer Rakete auf die 
  Ozonschicht noch keine nachhaltigen Auswirkungen. Über ein ganzes 
  Jahr zerstören Raketen global momentan weniger als 1% der 
  Ozonschicht. 
  
  Sollten die Pläne der verschiedenen Unternehmen aber Realität werden 
  und ein  regelrechter Massentourismus ins All stattfinden, ist eine 
  stärkere Beeinträchtigung der Ozonschicht durchaus vorstellbar. Durch
  die daraus resultierende, erhöhte Intensität der Sonneneinstrahlung 
  könnte sich dann auch das tägliche Wettergeschehen ändern. 
  
  Met. Cornelius Weiß (Praktikant) in Zusammenarbeit mit Dipl.-Met. 
  Magdalena Bertelmann
  Deutscher Wetterdienst
  Vorhersage- und Beratungszentrale 
  Offenbach, den 17.06.2018
  
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